Wie Trainer:innen Kindern über Fußball gezielt emotionale Stärke aufbauen
Ein neues Curriculum kommt nach Lesotho
Was macht gute Trainer:innen aus? Für die meisten Menschen geht es dabei um Taktik, Technik, vielleicht ein bisschen Motivationsgeschick. Aber was, wenn das Wichtigste, was Trainer:innen vermitteln können, gar nichts mit Fußball zu tun hat?
Im Mai 2026 brachte FFWU sein brandneues Programm zu emotionalen Kompetenzen zum allerersten Mal nach Maseru, Lesotho. Sechs Tage lang arbeiteten sich 22 Trainer:innen von Kick4Life F.C. durch zehn Kompetenzen: Selbstreflexion, Achtsamkeit, Selbstkontrolle, Zielsetzung, Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen, Umgang mit Emotionen, Verantwortung, Motivation und Kreativität. Dabei ging es nicht um abstrakte Konzepte, sondern um konkrete Trainingswerkzeuge. Diese übten sie Einheit für Einheit auf dem Platz – gemeinsam mit den jungen Menschen, mit denen sie jede Woche arbeiten.
„Lernen. Verlernen. Neu lernen.“
— Kursteilnehmerin, Maseru 2026Lesotho ist ein Land, in dem diese Arbeit dringend gebraucht wird. Die anwesenden Trainer:innen nannten Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Herausforderungen und Geschlechterungleichheit als die größten Belastungen in ihren Communitys. Trotzdem sieht sich die überwiegende Mehrheit bereits selbst als Teil der Lösung. Genau dieses Gespür wollte der Kurs schärfen – und den Trainer:innen dafür praktische Werkzeuge an die Hand geben.
Ein Programm, das Trainer:innen zur Selbstreflexion einlädt
Kursleiter Sascha Bauer setzte dabei durchgehend auf Guided Discovery, statt Wissen von oben herab zu vermitteln. Bei dieser Methode bekommen die Teilnehmer:innen nicht erklärt, was richtig ist. Sie finden es stattdessen selbst heraus – anhand von echten Beispielen, Gruppengesprächen und praktischen Übungen. Mit anderen Worten: Die Trainer:innen mussten zuerst über ihr eigenes Verhalten nachdenken, bevor sie es den Kindern vorleben konnten.
„Es entwickelt zuerst einen Menschen – und dann einen Athleten.“
— Kursteilnehmerin, Maseru 2026Vor allem die Themen zur Psychologie im Sport wurden als besonders spannend hervorgehoben. Die Teilnehmer:innen fanden sie aufschlussreich, und sie lösten echte Diskussionen aus. Außerdem waren die Fallstudien ein Highlight: reale Szenarien, die das Abstrakte sofort greifbar machten.
Kick4Life: ein Partner wie geschaffen für diese Arbeit
Der Kurs in Lesotho wurde durch die Partnerschaft mit Kick4Life F.C. ermöglicht – einem Verein, der fast weltweit einzigartig ist. Mit Sitz in Maseru ist Kick4Life gleichzeitig Fußballverein und Sozialunternehmen. Der Verein verbindet Spitzenfußball mit Programmen zu Gesundheit, Bildung und Zukunftschancen für junge Menschen. Bereits 2020 war er weltweit der erste Erstligaverein, der sich zu geschlechtergerechten Budgets verpflichtete.
Dieses Engagement zeigte sich auch im Kursraum: 37 % der teilnehmenden Trainer:innen waren Frauen – der höchste Frauenanteil aller bisherigen FFWU-Kurse. Darüber hinaus machten Kick4Lifes Infrastruktur, Werte und die Rückendeckung durch den ganzen Verein diese Partnerschaft zu einer der stärksten im gesamten Sharing-Goals-Programm.
Wie es weitergeht
Dies war eine erste Ausgabe – und wie bei jeder ersten Ausgabe warf sie ebenso viele Fragen auf, wie sie beantwortete. Zehn Kompetenzen in fünf Tagen sind zum Beispiel eine Menge. FFWU prüft daher, das Programm in zwei separate fünftägige Kurse aufzuteilen. So bekommt jede Kompetenz die Tiefe, die sie verdient. Außerdem können die Trainer:innen dann besser lernen, wie sie die Inhalte in ihren Trainingsalltag einbauen. Statt die Kompetenzen nur isoliert zu verstehen, üben sie diese so ganz gezielt weiter.
Darüber hinaus ist das Programm zu emotionalen Kompetenzen das Pendant zu FFWUs Programm für soziale Kompetenzen, das inzwischen zweimal in Mosambik lief. Gemeinsam bilden beide den Kern des Sharing-Goals-Programms – getragen von der Überzeugung, dass Fußball vor allem eines kann: den ganzen Menschen entwickeln.
„Ein guter Fußballspieler vereint viele verschiedene Fähigkeiten – technische, soziale und emotionale.“
— Kursteilnehmer, Maseru 2026Letztlich zeigt Lesotho, dass die Trainer:innen bereit für dieses Gespräch sind. Der nächste Schritt besteht darin, die Strukturen zu schaffen, die es tragfähig machen.









