Nadine Angerer

textbild_nadineName: Angerer
Vorname: Nadine
Sternzeichen: Skorpion
Geburtstag: 10.11.1978
Geburtsort: Lohr a. Main
Beruf: Physiotherapeutin

Erfolge

Nationalmannschaft
– Weltmeister 2003, 2007
– Europameister 1997, 2001, 2005, 2009, 2013
– Olympische Bronzemedaille 2000, 2004, 2008

Vereinsfußball
– UEFA Women’s Cup-Sieger 2005
– Deutscher Meister 2004, 2006
– DFB-Pokalsieger 2004, 2005, 2006, 2011
– DFB-Hallenpokalsieger 2004, 2005

Auszeichnungen
– Beste Torhüterin der FIFA Weltmeisterschaft 2007 (ohne Gegentor im ganzen Turnier)
– Silbernes Lorbeerblatt 2007
– Brandenburgs Sportlerin des Jahres 2007
– 3. Platz bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres
– 4.Platz bei der Wahl zur Weltfussballerin des Jahres 2008
– Beste Spielerin der UEFA Europameisterschaft 2013
– Europas Fußballerin des Jahres 2013
– Weltfußballerin des Jahres 2013

Vereine

– bis 1995 ASV Hofstetten
– 1995-1996 1. FC Nürnberg
– 1996-1999 FC Wacker München
– 1999-2001 FC Bayern München
– 2001-2007 Turbine Potsdam
– 2008 Djurgarden Damfotboll
– 2009-2013 1. FFC Frankfurt
– seit 2013 Brisbane Roar

Interview mit Nadine

1) Warum engagierst du dich für Afrika? Woher kommt deine Leidenschaft?

Weil mich dieser Kontinent auf all meinen Reisen am meisten fasziniert hat. Meine Leidenschaft für Afrika resultiert aus einem Urlaub. Nachdem ich 5 Wochen mit dem Rucksack durch Südafrika gereist bin und unglaublich viele positive und prägende Erlebnisse hatte, war für mich klar – ich liebe Afrika.

2) Was fasziniert dich besonders?

Faszinierend fand ich die Vielseitigkeit des Landes. Klar, die Natur ist atemberaubend und überwältigend – geradezu traumhaft. Auch das Licht ist irgendwie einzigartig. Am meisten haben mich jedoch die zufälligen Begegnungen mit den Einheimischen begeistert. Ich habe während dieser Tour so viele leidenschaftliche, stolze, mutige und offene Menschen kennengelernt – die Kultur hat mich einfach gefesselt.

3) Welches war deine schönste Erfahrung, die du in Afrika erlebt hast?

Dazu gibt es eine kleine Geschichte. Auf einen meiner Touren bin ich in einem Gebiet, vor dem ich von vielen Einheimischen ausdrücklich gewarnt wurde, „verloren gegangen“. Warum? Das bleibt mein Geheimnis!

Zunächst war ich – die Warnungen im Hinterkopf – den Menschen in dieser Gegend und deren Hilfsangeboten gegenüber sehr reserviert. Ich dachte: „alle hier sind kriminell und wollen mich überfallen“. ABER, es kam anders. In meiner völligen Hilflosigkeit nahm ich die Hilfe vorsichtig an. Entgegen meinen Erwartungen sind aus dieser Aktion schließlich tolle Begegnungen bis hin zu langen und interessanten Gesprächen ein einem Schafsstall entstanden – einmalig. Dieses Erlebnis war so überraschend positiv, dass ich mich immer wieder gerne daran erinnere. Ich habe dabei wieder gelernt, dass man Menschen, Gemeinschaften, Völker oder ganze Kulturen nicht vorverurteilen, sondern sich lieber selbst ein Bild machen soll. Wie man sieht können daraus die schönsten Erlebnisse entstehen.

4) Gab es auch negative Erfahrungen?

Ehrlich gesagt – nein. Natürlich war ich in meinem Verhalten vorsichtiger oder wachsamer als in Deutschland. Aber meine generelle Einstellung ist, dass man Menschen egal welcher Herkunft oder sozialer Schicht mit Respekt entgegentreten und nicht verurteilen soll. Trotzdem sollte man gewisse “Spielregeln” einhalten. Als verhältnismäßig „reicher“ Tourist in Afrika auf “Dicke Hose” machen muss halt auch einfach nicht sein.

5) Du bekommst zahlreiche Anfragen zu wohltätigen Projekten. Warum hast du dich gerade für Football For Worldwide Unity entschieden?

In den letzten Jahren hatte ich wirklich viele tolle Angebote, aber bei keinem habe ich so sehr das „innere“ Feuer gespürt wie bei diesem. Das Konzept von FFWU hat mich sofort begeistert und inspiriert. Als ich die Anfrage von Sascha Bauer gelesen habe war sofort klar, die Verantwortlichen von FFWU sind mit Herzblut dabei. Das war mir wichtig und vorher nie in dieser Form gegeben.

6) Was macht die Arbeit von FFWU besonders?

Es ist eine perfekte Mischung aus sozialer Arbeit und Sport. Die Projekte von FFWU finde ich durchweg spannend und dazu wichtig. Ich erachte es als unabdingbar neben der sportlichen Begeisterung auch eine soziale Nachhaltigkeit zu erzielen und beispielsweise über Menschenrechte aufzuklären. Desweitern halte ich die Ziele wie Gleichberechtigung, sexuelle Prävention und die Stärkung des Selbstwertgefühls – besonders bei Frauen – für außerordentlich wichtig.

7) Was bedeutet Fußball für dich?

Spaß, Leidenschaft, Teamgeist, Respekt und viel Training.

8) Was denkst du, welches die wichtigste Fähigkeit ist, welche man auf dem Fußballplatz lernen kann? (außer Fußball)

Der Fußball erzeugt zunächst unglaublichen Spaß und Glücksmomente! Dazu lernt man seine Mitspieler zu respektieren und zu akzeptieren – die Teamfähigkeit wird gefördert. Man stärkt das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Außerdem wird die Rücksichtname und das Einfühlungsvermögen gegenüber Mitmenschen sensibilisiert.

9) In wieweit kann man bedürftigen Kindern mit Fußball helfen?

Im Prinzip geht das aus meiner vorherigen Antwort hervor.

Am wichtigsten ist aber das Vermitteln von Spaß, Freude und Leidenschaft. Durch Fußball bekommt man die Chance auf andere Gedanken zu kommen und sich auszutoben – es wird ein Ausgleich zum „wahren“ Leben geschaffen. Alles andere ist eine Folge daraus.

10) Was glaubst du bedeutet es für Mädchen und Frauen, den „Männersport“ Fußball in einem Land auszuüben, in dem es eine strikte Rollenverteilung der Geschlechter gibt?

In Mosambik ist die Emanzipation noch nicht so vorangeschritten, daher haben es die Frauen in Mosambik wesentlich schwerer als bei uns. Aber genau das finde ich spannend und entscheidet – denn an dieser Stelle kommt der Fußball ins Spiel. Über den Fußball lässt sich das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein verbessern- Außerdem lassen sich die Rechte – die sie eigentlich haben – auf einfache Weise vermitteln. Das fängt damit an, dass es normal ist, dass Frauen auch Fußball spielen.

11) Als eine der weltberühmtesten Fußballerinnen, hattest du jemals Probleme diesen Sport auszuüben? Wie wird man als Frau in der Männerdomäne Fußball wahrgenommen?

Ehrlich gesagt hatte ich keine Probleme. Weder meine Eltern noch meine Freunde fanden es komisch. Ich hätte es auch nicht verstanden, warum ich eine Sache nicht machen darf, die mich wahnsinnig glücklich macht. Ich habe auch bis heute noch auf keinem Fußball gelesen: „NUR für Jungs“. Aber mir ist es durchaus bewusst, dass es auch andere Beispiele gibt – besonders in anderen Kulturen. Ich hatte Glück in einer toleranten Familie und einem toleranten Land aufzuwachsen.

12) Was denkst du, wie du den Projekten helfen kannst?

Einerseits denke ich, dass ich das Projekt noch bekannter machen kann. Außerdem möchte ich Sponsoren auf die Organisation aufmerksam machen. Ich werde versuchen durch verschiedene Aktionen Gelder zu sammeln, welche für die Entwicklung dringend notwendig sind. Auf der anderen Seite würde es mir großen Spaß machen, mein fußballerisches Wissen vor Ort in unseren Projektländern weiterzugeben.

13) Was hast du für Ziele mit Football For Worldwide Unity?

Mein Ziel ist es, dass das Projekt durch Sponsoren und Spender permanent finanziell und materiell abgesichert ist. Was mindestens genauso wichtig ist: Ich habe es mir als Ziel gesetzt, meine Mitstreiter bei FFWU vor Ort zu unterstützen und die Menschen in Mosambik und Südafrika über den Fußball zu begeistern und zu prägen.